(ab) In wenigen Wochen beginnt für Millionen Muslim*innen der Fastenmonat Ramadan. Eigentlich eine schöne Zeit, in der man sich gegenseitig zum Fastenbrechen besucht, die abendlichen Gebete in der Moschee aufsucht, für die Armen spendet, aber sich auch spirituell zurückzieht. Es sieht so aus, als ob der Ramadan 2021 ähnlich wie der Ramadan 2020 aussehen dürfte.

Im vergangenen Jahr fiel vieles, was den Ramadan ausmacht, aus. Wir erinnern uns an die mahnenden Worte von Seiten der hiesigen Politik, insbesondere von CDU-Politiker*innen, die schon vor Beginn des Ramadans ganze Fressorgien mit Großfamilien und Nachbarn in muslimischen Haushalten vor den Augen hatten, die dann noch zum Ramadangebet ohne Abstand in die Moschee düsen. Als ob das nicht schon der Gipfel der Markierungen von Minderheiten war, sprangen in den sozialen Medien die üblichen Verdächtigen aus der extrem-rechten Ecke auf den Zug auf, die die haarsträubende These verbreiteten, Kanzlerin Merkel würde angeblich den Lockdown „pünktlich zum Zuckerfest“ am Ende des Ramadans aufheben. Die erregte Bubble stöhnte „Danke, Merkel!“.

Währenddessen erklärten aber viele Vertreter der muslimischen Community im Ramadan, auf Gruppengebete zu verzichten und zuhause zu bleiben. So kam es auch. Es war der merkwürdigste Ramadan, den wir je erlebt haben. Aber es war auch für viele selbstverständlich, dass 2020 alles anders war. Gesundheit und Rücksicht gehen vor, auch im Glauben.

Nun steht in knapp zwei Wochen wieder der Ramadan vor der Tür und die Rahmenbedingungen durch die Pandemie haben sich nicht großartig geändert. In die Moscheen dürfte es, wenn überhaupt, mit Anmeldung, eigenem Gebetsteppich, Maske und Abstand gehen. Fastenbrechen dürften auch dieses Jahr nicht in großen Gruppen stattfinden, zumal mittlerweile fast jede/r mindestens einen Coronafall in der näheren Umgebung mitbekommen haben dürfte.

Es wird wohl auch dieses Jahr konservative Politiker*innen im Superwahljahr nicht davon abhalten, mit mahnendem Zeigefinger Richtung muslimische Community zu schauen und öffentlich zum Verzicht auf Gottesdienste in Moscheen aufzurufen. Umgekehrt werden schon mal Ostergottesdienste bei den Kirchen verteidigt, schließlich trägt man ja das C im Parteinamen. So viel Zeit muss sein.

Und auch unsere rechten Trolle sind wieder fleißig. Die Schallplatte von den Merkel-Lockerungen „pünktlich zum Zuckerfest“ ist wieder in der Dauerrotation. Sie hat aber so viele Kratzer mittlerweile, dass sie kaum noch im Social-Web zu verstehen ist.

Zum Schluss noch ein frommer Wunsch zum Beginn des Ramadans: Impftermine für alle wären nicht schlecht. Dafür werde ich beten. Amen.